Was Trumps Sieg mit seinem Wahlslogan «Let’s make America great again» zu tun haben könnte

Es ist also passiert. Der Mann, der mit seinem einsilbigen Wortschatz und seinem weitgehend inhaltlosen Wahlkampf im Rampenlicht der Medien fratzenschneidend gegen das politische Establishment wetterte und sich dabei schon fast bemüht um politische Korrektheit foutierte, wurde – auch dank der teils sehr fragwürdigen Wahlkreisgeometrie der einzelnen Bundesstaaten – zum 45. Präsidenten gekürt. Der wohl schmutzigste Präsidentschaftswahlkampf, den die USA und die Welt je gesehen haben, fand mit Trump seine zynische Vollendung. Die Untergangsaplogeten und Akzelerationisten wird es wohl gleichermaßen freuen wie die Trump-Anhänger (und -innen!).

Während die mittelbaren Konsequenzen der politisch-inhaltlich kaum fassbaren Figur Trump noch völlig unklar sind, so kann man sich zum gegebenen Zeitpunkt bloß über die Ursachen seines Erfolgs mutmaßen. Obwohl sich die Gründe in ihrer empirischen Pluralität niemals vollständig erfassen lassen, so bin ich davon überzeugt, dass seinem gebetsmühlenartig wiederholter «Let’s make America great again» Wahlspruch ein Großteil seines Erfolgs geschuldet ist.

Keiner wusste besser Bescheid über die formative und instrumentelle Macht der Sprache als der französische Geisteswissenschaftler Michel Foucault. Er war es, der mit imposanter geistiger und rhetorischer Schärfe die diffuse Verzahnung von Macht, Wissen und Sprache – natürlich in diskursiver Weise – zu entwirren vermochte. In Anlehnung an seine diskursive, begriffsanalytische und auf die Nutzung der Sprache sensibilisierte Analysetechnik, versuche ich nun Trumps Wahlslogan (den man mit gutem Gewissen als «populistisch» bezeichnen darf) und seine subtile sprachpsychologische Dimension zu erfassen.

«Let’s make America great again»

Sein Wahlspruch beginnt mit einem einladenden kollektiven Appell «let us». Mit «us» schweist sich Trump selber ins Adressat ein, in diesem Fall das amerikanische «Volk», und verschmilzt so sprachlich mit seiner Zuhörerschaft zu einer Einheit. Der Identifikationsrahmen ist also bereits geschafft.

«Let’s make America great again»

Auf das einleitende «Let’s» folgt «make». Es markiert den Willen und die Bereitschaft zur Aktion. «Make» als eines der meistgebrauchten Verben passt sprachlich perfekt zum ordinären Adressat  die Masse der unzufriedenen Arbeiterschaft, die ihrerseits auch produktiv tätig ist, also auch «macht».

«Let’s make America great again»

An «America» grenzt «great», dessen syntaktische Nähe eine positive Assoziation der beiden Wörter auslösen soll. Schliesslich das Wortpaar «great again», der bedeutendste Teil seines Wahlspruchs. Denn einerseits wird impliziert, dass die momentane Situation der USA eben nicht «great» sei. Damit spricht er dem Protestwählertum geradezu aus der Seele. Andererseits ist die zeitliche Bindefunktion des Wortes «again» hervorzuheben. Es projiziert einen Zustand der Vergangenheit (hier: den besseren Zustand) auf die Zukunft. Dazwischen liegt wie bereits erwähnt die vermeintlich schlechte Gegenwart, die es zu überwinden gilt. So erhält der Wahlspruch die Qualität eines kollektiven Unternehmens, eines Aufbruchs in eine bessere Zukunft, die Loslösung vom zerrütteten Status quo, für den die politische Elite verantwortlich gemacht wird.

 

Dieser sprachpsychologische Diskurs hat (hoffentlich) gezeigt, dass die Formulierung seiner populistischen Schlüsselphrase alles andere als zufällig ist, sondern formal und inhaltlich eng an seinen politischen Kurs korreliert ist: Ordinär, unspezifisch, in einfachen Schemen denkend, einfache Lösungen anbietend, aber vor allem: massentauglich und dadurch sehr wirksam. Mal schauen, wie weit es Trump mit seinem verheißungsvollen Wahlspruch bringen wird.

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