Plädoyer für ein hybrides Kontingentierungssystem

Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative werden hitzige Diskussionen über die konkrete Umsetzung des Plebiszits geführt. Wesentliche Fragen beziehen sich auf die Art der Kontingentierung: Welche Vorteile und Nachteile bringen welche Kontingentierungssysteme?

Ein populäres Konzept schlägt die Verteilung der ausländischen Fachkräfte nach dem Kriterium der Wertschöpfung vor. Dabei sollen diejenigen Arbeitskräfte Vorzug erhalten, welche der hiesige Arbeitsmarkt am Dringendsten benötigt. Dabei soll die Höhe der Wertschöpfung über eine Versteigerung ermittelt werden, so der Vorschlag.

In meinen Augen schreit dieses Konzept geradezu nach definitorischer Klärung. Denn von welcher Wertschöpfung spricht man? Meint man damit die Maximierung des Nutzens im rein monetären Sinne oder werden auch noch andere Kriterien für die Evaluierung des Nutzens herangezogen? Wer soll in erster Linie von der wertschöpfungsorientierten Kontingentierungsmassnahme profitieren, die Volkswirtschaft als Ganzes oder die einzelnen Wirtschaftsbranchen? Wie sinnvoll ist die Versteigerung für die Ermittlung der Wertschöpfung? Wichtige Fragen also, die man nicht einfach überspringen sollte, sondern mit denen man sich im Vornherein ernsthaft auseinandersetzen muss.

Nach meinem Erachten scheint dieses Modell mit einigen Vorbehalten das Geeignetste zu sein. Vorab möchte ich festhalten, dass sich die Kontingentierungskriterien primär nach dem volkswirtschaftlichen Nutzen ausrichten sollten. Es sollen also diejenigen Leute zuerst kommen, welche für die Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse zum gegebenen Zeitpunkt am dringendsten benötigt werden. Da jedoch die Versteigerung die Wertschöpfung bloss nach liberal-wirtschaftlichen Kriterien festlegt und sich nicht primär am Gesamtnutzen für das System orientiert, scheint sie sich als legitimes Verfahren zu disqualifizieren. Man möge einwenden, das dieses Verfahren indirekt mittels den Steuereinnahmen auch den grössten Nutzen für die Volkswirtschaft mitbringt – dies würde der Realität aber nur bedingt gerecht. Denn erstens ist die Deduktion, dass die zahlungskräftigsten Firmen auch die meisten Steuern abwerfen (der fragmentierten Steuerpolitik und dem schier unerschöpflichen Repertoire exotischster Steueroptimierungsmethoden sei Dank) nicht zulässig. Zweitens würde die Versteigerung die finanzkräftigen Branchen stark bevorzugen und somit den finanzschwächeren Branchen die Chance auf die Rekrutierung dringend benötigter Arbeitskräfte dezimieren. Man soll an dieser Stelle nicht vergessen, dass hauptsächlich vor allem die Klein- und Mittelunternehmen und und nicht die finanzstarken Grossunternehmen die Wirtschaft tragen. Mit anderen Worten: Die Relevanz eines Unternehmens für das Wirtschaftssystem lässt sich nicht alleine von der jeweiligen Finanzkraft ableiten. Insofern ist die Versteigerung auch nicht das gerechteste Verteilungsverfahren der Fachkräfte.

An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, welches alternative Verteilungsverfahren angemessen wäre. Natürlich wäre die freie Beschaffung von Arbeitskräften ohne die Einschränkung durch ein Kontingentierungssystem die liberalste Lösung. Da jedoch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative genau die Abschaffung dieses Verfahrens zum Ziel hat, muss eine andere Lösung her. Mir fällt da nur eine, nicht ganz befriedigende Alternative ein: Eine Mischung aus branchenorientertem und wertschöpfungsorientiertem Kontingentierungssystem. Eine unabhängige Wirtschaftskommission sollte das Gesamtkontingent auf die einzelnen Wirtschaftsbranchen aufteilen. In einem nächsten Schritt führen die einzelnen Branchen interne Versteigerungen durch, wonach die finanzkräftigsten beziehungsweise zahlungswilligsten Firmen innerhalb der Branche die Arbeitskräfte erhalten.

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